Vielleicht ist der Buchhandel doch nicht tot

Posted on Fri 06 March 2026

Nachdem Kulturstaatsminister Wolfram Weimer drei ihm suspekte Häuser vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen hat, kommt der Wind von allen Seiten. Das lohnt sich zu beobachten.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Orte der alternativen Bildung mit Schikanen herumschlagen müssen. Förderlinien werden Jahr für Jahr für Jahr gestrichen oder umgewidmet, Gesinnungsprüfungen veranstaltet, Entscheidungen über Geldvergaben in rechte bis rechtsextreme Hände gelegt. Man muss Orten, die Raum für kritischen Austausch über Staat und Gesellschaft bieten, nicht mehr mit aufwändigen Razzien und Verhaftungen kommen. Der Faschist von heute dreht ihnen einfach die Geldhähne zu.
In diesem Kontext ist die jüngste Aktion von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zu sehen, der Anfang der Woche die drei Buchläden Golden Shop in Bremen, Rote Straße in Göttingen und Zur schwankenden Weltkugel in Berlin von der Liste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen hat. Seine Begründung lautete, da sei halt irgendwas gewesen mit »Hinweisen vom Verfassungsschutz« – die er sich möglicherweise illegal besorgt hat.
So weit, so alltäglich, aber dann passierte etwas Neues: Akteure, die sich normalerweise von allem, was als Extremismus gebrandmarkt wird, erschrocken distanzieren, solidarisierten sich. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die Kurt Wolff Stiftung, die Nachbarschaft der betroffenen Buchhandlungen – niemand wiegelt ab, niemand zieht den Schwanz ein, alle bezeichnen den Eingriff des Ministers in die Arbeit der Jury als das, was es ist: eine antidemokratische Einflussnahme. In zahmeren Worten, aber trotzdem. Die drei Buchläden haben unterdessen rechtliche Schritte angekündigt.
Die momentane Welle von Solidaritätsbekundungen wird natürlich abebben. Dennoch wirkt es, als habe Weimer sich den falschen Rahmen für seinen Feldzug ausgesucht - das Interesse an unabhängigen Buchläden und der Literatur, die sie verkaufen, ist zu groß.
Das ist auch für Selfpublisher_innen interessant. Viele von uns täten gut daran, sich gerade jetzt mit dem lokalen Buchhandel zu vernetzen. Ich jedenfalls habe die betroffenen Läden in meine Empfehlungen aufgenommen (sofern sie da nicht eh schon standen) und halte die Augen offen nach Gelegenheiten, mich nützlich zu machen. Jedes Bisschen hilft.