Wo kommt der Unsinn eigentlich her?

Posted on Wed 11 March 2026

Ursula K. Le Guins Text »A Rant About Technology« aus dem Jahr 2005 könnte auch »A Rant About Soft Science Fiction« heißen, oder »A Rant About The Idiots Who Call My Work Soft Science Fiction«. Sie spricht mir aus der Seele. Aber vielleicht gehen wir das falsch an?

Der erste Text, den ich auf diese Hompage hochgeladen habe, war meine Selbstbeschreibung als Autorin von Feministischer Science Fiction. Das F ist bewusst großgeschrieben.
Nicht um mich dem unausrottbaren Trend anzuschließen, der jeglichen »Frauen-« und mittlerweile auch »Queerkram« zum eigenen Subgenre erklärt. Wer das tut, fällt rein, denn von einer Sonderkategorie aus lässt sich kein Anspruch auf Normalität mehr erheben.
Mir ging es mit meinem großen F darum meine politische Herkunft zu betonen. Die Erfahrungen, die ich in meine Arbeit als Autorin einbringe, habe ich zu einem großen Teil in weiblich konnotierten Bereichen gesammelt. Ich verlange das Ende der Abwertung dieser Bereiche. Außerdem: Wer denkt, es ginge dort »soft« zu, hat keine Ahnung.
Verwandt damit argumentiert Le Guin, dass die Unterscheidung von harter und softer Science Fiction auf einer sehr eigenen Auslegung von Technologie beruhe – IT und Waffen zählen als solche, und Punkt. Wie die Gesellschaft im beschriebenen Universum ihr Essen koche, wo ihre Kleidung herkomme, wie sie elektrischen Strom erzeuge – das alles habe laut der Verfechter von Hard Science Fiction nichts mit Technologie zu tun.
Le Guin war selbst in ihren Rants unglaublich beherrscht und sachlich. Ich bin das nicht immer.
Die Leute, die von Hard Science Fiction sprechen, sind fast ausschließlich männliche Autoren, die sich für ihre Bücher viel Gedanken um Raumschiffantriebe und Abschussraketen gemacht haben, aber bei politischen und gesellschaftlichen Themen an der Oberfläche bleiben. Wenn sie die in dieser Hinsicht oft überlegenen Konzepte weiblicher_queerer Autor_innen sehen, dann empfinden sie das weder als Bereicherung des Genres noch nutzen sie die Gelegenheit, den eigenen Horizont zu erweitern. Stattdessen ärgern sie sich über die unliebsame Konkurrenz und schüren das uralte Gerücht, nur Männer könnten wirklich schreiben. Daher kommt die bockige Unterscheidung in weiche und harte Science Fiction.
Seit 2005, als Ursula K. Le Guin ihren Rant schrieb, hat sich nichts bewegt.
Aber vielleicht ist es ein Fehler, sich überhaupt auf die Debatte einzulassen. Vielleicht sollten wir sowohl das Gerede als auch die alten Kategorien künftig ignorieren und unsere Werke stattdessen in Social Sciences Fiction beziehungsweise Engineering/Physics Fiction einteilen. Ich werde mir das fürs nächste Buch überlegen. Stay tuned.